Farbwahrnehmung – Teil 3: Wie die Umgebung unseren Augen einen Streich spielt

April 22, 2015 by Shoshana Burgett

Es gibt viele Dinge, die sich auf unsere Farbwahrnehmung auswirken. Manchmal kommt es nicht darauf an, ob das Rot, das Sie sehen, der gleiche Rotton ist, den ich sehe. Eine Scheune ist eine Scheune, stimmt‘s? Doch wenn man in einer Branche tätig ist, in der die Farbbeurteilung zum Aufgabengebiet gehört, ist es wichtig… SEHR wichtig.

In unserer Blogreihe zur Farbwahrnehmung erläutern wir die zahlreichen Faktoren, die sich auf unsere Farbwahrnehmung auswirken, und wie Farbprofis sicherstellen können, dass die Farbe, die sie sehen, auch wirklich die gewünschte Farbe ist. Heute befassen wir uns eingehend mit dem menschlichen Auge und einigen Umgebungsfaktoren, die sich auf unsere Farbwahrnehmung auswirken.

Das Auge

Lassen Sie uns mit einer kurzen Einführung in die Anatomie des Auges beginnen.

Der Prozess, der sich hinter der Farbwahrnehmung verbirgt, ist wirklich erstaunlich. Wenn Licht durch die Hornhaut des Auges dringt, fokussiert die Linse das betreffende Objekt durch die Bündelung der einfallenden Lichtstrahlen und erstellt ein seitenverkehrtes Bild hinten im Auge auf der Netzhaut.

Die Stäbchen können Farben nicht unterscheiden. Ihre Aufgabe besteht darin, Änderungen des Lichts zu erkennen und das Auge anzupassen, damit wir sehen können, auch wenn es dunkel ist. Dank der Zapfen können wir Farben sehen, wobei es drei Arten von Zapfen gibt, jeweils einen Zapfentyp zum Sehen von Rot, Grün bzw. Blau. RGB… die drei Primärfarben, durch deren Kombination die wunderbare Farbenwelt entsteht.

Cross section human eye rod cone color perception cells

Querschnitt des menschlichen Auges und Vergrößerung der Netzhautwand zur Darstellung der Nerven, die Licht einfangen und zur Analyse an Stäbchen und Zapfen weiterleiten

Stäbchen- und Zapfenzellen sind über die Netzhaut verteilt sind, sodass der Großteil unseres Auges Farbe sehen und durch sich ändernde Lichtverhältnisse navigieren kann. Hinten im Auge gibt es allerdings eine Einsenkung, die so genannte Fovea, die nur Zapfen enthält. Sie ist der Bereich unseres schärfsten Farbsehens.

Sobald das Auge das Licht und die Farbdaten erfasst hat, wird alles über den Sehnerv zur Analyse an das Gehirn weitergeleitet. In Sekundenbruchteilen meldet das Hirn, war wir sehen. Eine rote Scheune. Erstaunlich, nicht wahr?

Dabei kann natürlich viel schiefgehen…

Ermüdung der Netzhaut

Unsere Augen ermüden sehr schnell. Sehen Sie sich dieses Bild 30 Sekunden lang an, und schließen Sie dann Ihre Augen.

Flag retinal fatigue color perception display

Was Sie sehen, nennt man ein Nachbild. Die Zapfen in unseren Augen enthalten rote, grüne und blaue Fotorezeptoren. Betrachten wir ein Objekt länger als ein paar Sekunden, lassen die chemischen Reaktionen in der Netzhaut nach, und die Zapfen beginnen, falsche Informationen an unser argloses Gehirn weiterzuleiten.

Es ist ganz normal, wenn alles ein bisschen komisch aussieht, nachdem Sie längere Zeit auf dieses Bild geschaut haben. Nach einigen Minuten passen sich Ihre Augen wieder an. Am besten schließen Sie die Augen und gönnen ihnen eine kleine Pause. Oder sehen Sie sich einen hellen, neutralen Grauton an, bis Sie feststellen, dass Sie Farben wieder normal sehen.

Beliebte Quizfrage: An welchem Wochentag sieht man Farben am besten?

Freitags, weil man dann weiß, was man in dieser Woche an Arbeit zu erwarten hat? Mittwochs, weil es Mitte der Arbeitswoche – „Bergfest“ – ist?

TGIM (Thank God it‘s Monday)! Tatsächlich montags. Wie unser Körper können unsere Augen über das Wochenende ausruhen.

Hintergrundeffekte

Hier ein weiteres Bild. Haben die Pfeile die gleiche Farbe?

Color perception background effects

Sieht wirklich nicht so, ist aber so. Sie glauben mir nicht? Verfolgen Sie den grauen Bildrahmen. Die graue Farbe bleibt unverändert.

Der Pfeil links sieht dunkler und bläulicher aus, weil sich der gelbe Hintergrund stark auf die Fähigkeit unseres Auges auswirkt, die Farbe richtig wahrzunehmen. Dieses Phänomen heißt Simultankontrast – ein weiterer Streich, der unseren müden Augen gespielt wird.

Dieses Beispiel war ganz „augenfällig“. Hintergrundeffekte sind den ganzen Tag fast unmerklich im Spiel. Wenn Sie Farben begutachten und vergleichen müssen, sollten Sie sich über all diese Effekte und deren Auswirkung auf Ihre Farbwahrnehmung im Klaren sein. Als wenn das nicht alles schon genug wäre, es kommt noch etwas hinzu!

Beleuchtung

Licht spielt eine GROSSE Rolle bei der Farbwahrnehmung. Darüber haben wir vor einigen Wochen in Farbwahrnehmung – Teil 1. gesprochen. Denn die Farbe des Lichts bestimmt, wie unser Gehirn Farben wahrnimmt. Denken Sie daran, wie sich das Aussehen Ihres Gartens durch den Sonnenverlauf ändert. Bei Sonnenaufgang wirkt alles gelblich-orange. Um die Mittagszeit an einem sonnigen Tag wirkt die Umgebung kühler und blauer. Bei Sonnenuntergang liegt auf allem ein Schatten; alles wirkt dunkler. Es liegt an der Farbe des Lichts, dass Dinge im Tagesverlauf ihr Aussehen verändern, obwohl sie selbst unverändert bleiben.

Auswirkung von Umweltfaktoren auf die Farbbeurteilung

Was bedeuten diese Umweltfaktoren für diejenigen unter uns, die Farben aus beruflichen Gründen analysieren und vergleichen müssen? Wir müssen den Einfluss von Licht auf unsere Farbwahrnehmung kennen, uns darüber im Klaren sein, dass sich die Augen täuschen lassen, und die Behelfslösungen nutzen, die Farbwissenschaftler und -experten für uns entwickelt haben.

  1. Müde Augen können Farben nicht zuverlässig beurteilen, insbesondere nicht nach einer Überreizung durch eine kräftige Farbe. Gönnen Sie Ihren Augen eine kurze Pause vor dem Abmustern und eine erneute Pause vor der nächsten Abmusterung.
  2. Achten Sie immer auf Ihre Umgebung. Durch umgebende Farben kann eine Farbe anders aussehen. Nutzen Sie bei der Farbabmusterung eine Lichtkabine, um sicherzustellen, dass Ihre Sicht nicht getrübt ist.
  3. Seien Sie sich über die Lichtart bzw. -quelle zur Beleuchtung Ihrer Farbproben im Klaren. Eine Lichtkabine kann Ihnen bei der Kontrolle der Beleuchtungsbedingungen helfen und für Konstanz sorgen.
  4. Verwenden Sie ein Farbmessgerät zur Erfassung der Farbdaten. Ein Kolorimeter oder Spektralphotometer misst einfach das von der Probenfläche reflektierte Licht. Es weiß überhaupt nicht, dass es Umgebungsfarben gibt.

Als Nächstes…

Leider ist die Umgebung nicht unsere einzige Hürde bei der Farbbeurteilung. In Kürze befassen wir uns mit einigen menschlichen Eigenschaften, die sich auf die Farbwahrnehmung auswirken, und erklären, wie wir mit ihnen umgehen sollten, damit wir Farben besser beurteilen und abmustern können.

Blogreihe zur Farbwahrnehmung

Teil 1: Die Wirkung von Licht
Teil 2: Die Auswirkung auf die Fertigung
Teil 3: Wie die Umgebung unseren Augen einen Streich spielt
Teil 4: Menschliche Eigenschaften

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